Was verlieren wir mit der Religion?

Erklärung der Umwelt

Abrahams Schoß

Für Abraham oder etwa die alten Ägypter war die Welt voller unerklärlicher Wunder. Man mag anmerken, dass sich das jetzt, 4.000 Jahre später, nicht geändert hat. Dem ist insofern zuzustimmen, als die Welt in der Tat in vielerlei Hinsicht wunderbar ist und wohl immer bleiben wird. Für viele dieser Wunder haben wir heute aber haltbarere Erklärungen, als jener Vater des Glaubens, wie Abraham auch genannt wird. Wir sind im Gegensatz zu ihm nicht auf einen fantasierten Schöpfer und Weltenlenker angewiesen, sondern unsere Erklärungen basieren auf wissenschaftlicher Forschung. Diese bringt im Gegensatz zur Religion belastbare Ergebnisse.

Wissenschaft Belastbar bedeutet hier, dass sie kritische Überprüfung ausdrücklich verlangen und dieser auch standhalten – sonst würden sie entsprechend korrigiert werden. Unerschütterlicher Glaube, das genaue Gegenteil von kritischer Prüfung, ist dagegen kein Beleg für Belastbarkeit – genau so wenig wie die Scheiterhaufen der Inquisition.

Eine Korrektur der religiösen Weltsicht findet nicht oder nur gegen erbitterten Widerstand statt. Das hochnotpeinliche Taktieren der Kirche in Sachen Galilei und die lächerliche Position der Kreationisten seien beispielhaft genannt. Folglich stimmt diese religiöse Weltsicht regelmäßig nicht mit den Fakten überein – oder, um es deutlicher zu formulieren: Sie ist schlicht falsch.

Damit ist Religion zur Erklärung der Umwelt mindestens ungeeignet, um es freundlich zu auszudrücken. Treffender ist die Feststellung, dass Religion eine tatsächliche Erklärung behindert – anfangs aus Unwissenheit, dann sehr häufig aus Machtkalkül.

Erklärung der inneren Welt

Die meisten heutigen Gläubigen werden ihre Religion nicht mehr an Stelle naturwissenschaftlicher Erkenntnis stellen. Sie haben weit früher als die Päpstliche Akademie der Wissenschaft in Erwägung gezogen, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Extrem-Verwirrte, wie Kreationisten, sind freilich ausgenommen.

Viele werden vielleicht sogar so weit gehen, dass sie erkennen, dass die religiösen Erklärungen hinsichtlich der äußeren Dinge schlicht falsch und irreführend sind. Sie werden aber alle darauf beharren, dass ihre Religion ihnen innere Orientierung vermittle, dass sie ihnen sittlich-moralischen Halt gebe. Ich nehme an, dass das ausnahmslos der Fall ist: Warum sollten sie sich sonst die intellektuelle Zumutung des Glaubens antun?

Wohl gemerkt: Ich mutmaße hier über Gläubige, nicht über alle, die sich Christen nennen. Wir wollen nie vergessen, dass der Verweis auf Religion ein äußerst erfolgreiches Mittel der Manipulation ist und somit zu enormer Macht verhilft. Um auf angebliche oder tatsächliche religiöse Gebote zu verweisen, muss man nicht selbst daran glauben. Ich denke, das wäre meist nur hinderlich.

An ihren Taten sollt ihr sie erkennen

Mutter Teresa

Hier sei die Bibel ausnahmsweise mal zustimmend zitiert.

Es ist sicherlich richtig, dass Religionen Aussagen zu moralischen Fragen machen. Viele dieser Aussagen sind menschenverachtend oder in sonstiger Hinsicht widerwärtig – insbesondere diejenigen, die Ungläubige, Frauen oder sonstige Untermenschen betreffen. Koran und Bibel stimmen hier bemerkenswert überein. Es sei aber ausdrücklich angemerkt, dass sich auch Gebote finden, denen ein aufgeklärter Humanist zustimmt.

Wie in der Bibel aber sehr richtig feststellt, zählen nicht Worte, sondern Taten. Die Kirchengeschichte ist diesbezüglich aufschlussreich. Es handelt sich um eine Kriminalgeschichte des Christentums. Das genau so betitelte Werk des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner umfasst nicht zufällig über 5.000 Seiten. Auch gewisse Vorzeige-Gutmenschen, die als über jeden Verdacht erhaben gewähnt werden, sind bei näherer Betrachtung äußerst fragwürdig. Die abgebildete Heilige mag als Beispiel dienen.