Ende des Terrors

Die Tatsache, dass wir uns vor Religionsterror nicht mehr fürchten müssen, verdanken wir nicht etwa einer Einsicht, die die Kirchen aus freien Stücken gewonnen hätte. Die Vorstellung einer solchen Wandlung ist ähnlich absurd wie die Konsekration, die Wandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi zwecks kannibalischer Riten.

Picasso

Die heutige Freiheit verdanken wir heldenhaften Denkern der Aufklärung. Ihre Erkenntnisse haben sie gegen den erbitterten Widerstand der Kirche errungen. Mit Aufklärung ist in diesem Zusammenhang nicht die geschichtliche Epoche vom mittleren bis zum späten 18. Jahrhundert gemeint, sondern eine geistige Haltung im Sinne Kants, wie sie beispielsweise schon Galilei ansatzweise verkörperte.

Die Aufklärung in diesem Sinne wurde und wird von der Kirche mit allen Mitteln bekämpft. Freies Denken stellt die exklusive Deutungshoheit und somit die Macht der Kirche infrage. Das galt und gilt aus Sicht der Mächtigen als unannehmbar, als Todsünde, wie sie formulieren würden. Das ist der Grund des erbitterten kirchlichen Widerstandes.

Die Verbrechen der Kirche im Mittelalter wurden bereits kurz angesprochen. Sie sind heute bei den Christen nicht mehr praktikabel. Den Aufklärern – und definitiv nicht Gott! – sei Dank. Das Gefecht dauert aber an. Es ist ein Rückzugsgefecht der Kirche. Man betrachte beispielsweise die Kreationisten in den USA, die mit Nachdruck das Weltbild von archaischen Wüstennomaden verteidigen.

Unter dem Aspekt eines Rückzugsgefechtes wird auch das verzweifelte Taktieren der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Fall Galilei verständlich. Selbstverständlich weiß die Kirche schon lange, dass sie Unsinn verkündet. Die Akademisten sind nicht blöd, sondern machtbesessen. Das von ihnen zu lösende Problem war nicht die Frage, ob die Erde um die Sonne kreist oder anders herum, sondern der Konflikt zwischen eigenem Machtstreben und offensichtlichen Fakten. Zuzugeben, dass kirchliche Lehrmeinung irrig ist, bedeutet Verlust der exklusiven Deutungshoheit und damit Machtverlust.

Auf Jahrtausende alten Irrtümern zu bestehen, bedeutete früher Machterhalt, bedeutet heute dank der Aufklärung Offenbarung religiös motivierter geistiger Beschränktheit. Die früher so erfolgreichen Lösungen, nämlich die Scheiterhaufen der Inquisition, stehen heute nicht mehr zur Verfügung, was mancher Kleriker insgeheim zutiefst bedauern mag. Kein Wunder also, dass die Akademie 13 Jahre nach einer Lösung ihres Galileo-Problems suchte – es gibt keine.

Für die probaten Instrumente der Inquisition ist die Kirche noch immer empfänglich. Physische Folter existiert zwar nur noch in Form von Selbstgeißelungen, wie sie von verwirrten Gläubigen auch heute noch praktiziert wird.

Bußgürtel

Das Bild zeigt einen Bußgürtel, auch Cilicium genannt, wie er von den Mitgliedern von Opus Dei, einer Laienorganisation der katholischen Kirche, täglich zwei Stunden getragen wird – mit den Dornen nach innen, selbstverständlich. Auch die 5-schwänzige Handgeißel aus verknoteten Seilen wird gern genommen, denn der Schmerz ist heilig und der Schmerz adelt, wie der Gründer dieser Organisation, Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás, behauptet. Derartigen sadomasochistischen Perversionen hing übrigens auch die selige Mutter Teresa an.

Psychische Folter, etwa Erzeugung von Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen ist gängiger. Das Beispiel der Erbsünde zeigt, wie widerwärtig solche Misshandlungen sind: Dem Gläubigen wird der Wahn aufgezwungen, er sei von Geburt an sündig, er sei also ohne jede Chance der liebevollen Gnade der Kirche ausgeliefert.

Vorsicht! Priester

Eine weitere Form psychischer und physischer Folter ist die Vergewaltigung schutzbefohlener Kinder durch Geistliche. Das wird von der Kirche nicht gefordert, wohl aber im Sinne der Vertuschung gefördert. Die Veröffentlichung dieser besonders abscheulichen Verbrechen schadet der Kirche natürlich. Anderseits muss sie Interesse an einer rückhaltlosen Aufklärung vorgeben, um sich nicht ganz zu demaskieren. – Ein Dilemma wie im Fall Galilei.

Prof. Christian Pfeiffer

Die Kirche besinnt sich hier auf ein weiteres Instrument der Inquisition, auf die Zensur. Genau das musste der Chef des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, Prof. Christian Pfeiffer erfahren. Die Kirche kündigte die vorher vollmundig angekündigte Zusammenarbeit auf, weil Pfeiffer sich nicht auf Versuche der Manipulation einließ.