Exkurs: Ignostizismus

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein stellte fest:

Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.

Unter klar verstehe ich eindeutig, ohne logische Brüche und, so würde ich mir wünschen, möglichst verständlich.

Eine Mindestforderung ist, dass der Sprecher weiß, wovon er überhaupt spricht. Alles andere ist Geschwafel, schlimmer als Thema verfehlt, denn das Thema selbst ist ja unklar.

Geb und Nut

Die Position des Ignostikers zu beziehen, scheint mir eine angemessene Reaktion auf die Fangfrage von Theisten: Bist Du etwa Atheist?! zu sein. Statt sich wie der Agnostiker auf Nichtwissen zurückzuziehen, fordert der Ignostiker die Konkretisierung der Frage – wohl wissend, dass das nicht möglich ist.

Das muss ihm erlaubt sein, denn der Theist lauert auf das Eingeständnis des Atheismus, um dann postwendend zu fordern, die Nichtexistenz Gottes zu beweisen – wohl wissend, dass das nicht möglich ist – nicht zuletzt deswegen, weil unklar ist, wovon die Existenz oder Nicht-Existenz bewiesen werden soll.

So betrachtet halte ich die theistische Frage nach Atheismus für intellektuell unredlich, da nicht sinnvoll zu beantworten.

Ich will das an einem unverfänglichen, also nicht-religiösen Beispiel verdeutlichen:

Nehmen wir an, Sie würden zum sinnvollen Einsatz des quasiolytischen Phraseometers befragt. Sie würden hierzu nichts Vernünftiges sagen können, weil Sie nicht wissen, was das sein soll. Es wäre nicht sonderlich hilfreich, wenn der Frager seinerseits die Bitte um eine Definition dieses Dings empört als nicht zu erfüllende Zumutung zurückweist. Die Empörung des Fragers wäre allerdings nachvollziehbar, denn jeder Ansatz hinsichtlich einer Konkretisierung entlarvt die Unsinnigkeit seiner Frage und damit, um auf Religion zurückzukommen, die Absurdität von dessen Weltbild.

(Sie werden vielleicht mutmaßen, dass der Begriff quasiolytischer Phraseometer frei erfunden ist. Stimmt – allerdings nicht von mir, sondern von Michael Schmidt-Salomon. Er hat ihn in seinem sehr lesenswerten Buch Leibniz war kein Butterkeks eingeführt, um das hier besprochene Problem zu beleuchten.)