Unterlegenheit der Religion

Die Religion behauptet letzte unumstößliche Wahrheiten. Diese Behauptungen entziehen sich typischerweise jeder Nachprüfung. Naturwissenschaftliche Behauptungen sind dagegen bewusst so formuliert, dass sie bestätigt oder widerlegt werden können.

Ein typisches Beispiel für eine wissenschaftliche Aussage ist: Die Sonne bewegt sich um die Erde, das geozentrische Weltbild also.

geozentrisches Weltbild

Ein typisches Beispiel für eine religiöse Aussage ist: Gott existiert. Das ist weder beweisbar noch widerlegbar. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist diese Aussage eine extrem unwahrscheinliche These, die weit mehr Fragen aufwirft als sie klärt.

Agnostiker – das sind, etwas lässig formuliert, Atheisten, die sich nicht trauen, sich zu ihrem Atheismus zu bekennen – pflegen gelegentlich zu unterstellen, dass aus der Unbeweisbarkeit der Existenz Gottes folgt, dass Gott ebenso wahrscheinlich existiert wie nicht existiert. Das ist Unsinn.

Um zu belegen, dass das Quatsch ist, erlaube ich mir einen kleinen Exkurs zu Russells Teekanne. Auf das Thema Gottesbeweise werde ich später noch einmal ausführlicher zurückkommen.

Manchem mag die Formulierung letzter Wahrheiten als Stärke gelten – und die ewigen Selbstzweifel der Naturwissenschaft als Schwäche. Das ist verständlich: Wer wollte nicht gern endgültig wissen, was Sache ist? Dieser Wissensdrang ist dem Menschen im besonderen Maße eigentümlich. Als Naturwissenschaftler solchen End-Gültigkeit abzuschwören, bewusst vorläufige Gültigkeiten, also Hypothesen zu formulieren, widerspricht auf ersten Blick diesem Drang. Diese End-Gültigkeiten nenne ich Hyperthesen.

Der Mensch strebt nach Erkenntnis, nach Wahrheit. Aussagen, die als letztgültig gewähnt werden, favorisiert er dabei. So entstand Religion. Wenn aber nun diese religiösen Tatsachenbehauptungen nicht mit den Fakten übereinstimmen, ergibt sich ein Dilemma. Es wird dann offensichtlich, dass diese letzten Wahrheiten keine sind, sondern schlicht falsch. Es zeigt sich dann, dass das vermeintliche Merkmal von Stärke, die Behauptung endgültigen Wissens, die Aufstellung von Dogmen also, tatsächlich von Schwäche zeugt. Die Naturwissenschaft mit ihren ewigen Selbstzweifeln ist gegen dieses Dilemma immun. Für sie ist der Irrtum keine Bedrohung, sondern Mittel der Erkenntnis. Ihre Freiheit von Dogmen ist ihre große Stärke.

Noch fataler als das Scheitern an äußeren Fakten sind für die Religion die inneren Widersprüche, die die frommen Denkfehler mit besonderem Nachdruck offenlegen.


Drachen