Das humanistische Menschenbild

Krone der Schöpfung

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn …

Diese Fantasie entstammt der Genesis, dem Schöpfungsmythos des Alten Testamentes also. Sie ist aber auch im Neuen Testament zu finden – nicht nur in der Behauptung, dass Gott Maria geschwängert habe.

Aus dieser absurden Anmaßung – immerhin wird Gott ja als allmächtig fantasiert – folgert eine besondere Stellung des Menschen. Er sei in seiner Gottgleichheit die Krönung der Schöpfung. Der Mensch, so spinnt sich der Wahn weiter, sei insbesondere auch in seinem Geist göttlich, er habe eine unsterbliche Seele. Das menschliche Denken sei frei, unbeeinflusst von äußeren Gegebenheiten. Schließlich wird die Unantastbarkeit dieses Gott-Doubles hervorgehoben.

Um den letzten Punkt, die Unantastbarkeit, aufzugreifen: Die christliche Religion schreibt diese vordergründig jedem Menschen zu, gemeint ist aber regelmäßig der Mensch gleicher Glaubensrichtung, wie die Grauen der Missionierung beispielhaft belegen.

Der Islam ist ähnlich verlogen, wie ich in einem Exkurs zeige, in Hinsicht auf die Ungläubigen findet der Koran allerdings klare Worte:

Sure 2,191

Und tötet sie (d. h. die heidnischen Gegner), wo ihr sie zu fassen bekommt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben! Der Versuch (Gläubige zum Abfall vom Islam) zu verführen ist schlimmer als Töten. Jedoch kämpft nicht bei der heiligen Kultstätte (von Mekka) gegen sie, solange sie nicht (ihrerseits) dort gegen euch kämpfen! Aber wenn sie (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie!

Sure 8,55

Als die schlimmsten Tiere gelten bei Gott diejenigen, die ungläubig sind.

Sure 47,4

Wenn ihr mit den Ungläubigen zusammentrefft, dann haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken!

Türken-Säbel

Der zum Beispiel auch von Schmidt-Salomon vertretene Evolutionäre Humanismus vertritt ein anderes Menschenbild. Dieses ist geprägt von einer in der Evolution begründeten Ethik. Diese Ethik betont ebenfalls den hohen Wert des Menschen – nicht aber im Sinne einer Sonderstellung in der Natur, sondern als Teil derselben. Dieser Unterschied ist wesentlicher, als vielleicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hieraus erwächst eine hohe Wertschätzung unserer Umwelt, derer Anteil wir sind – und nicht etwa derer Krone.

Die Ethik des Evolutionären Humanismus gründet auf Erkenntnissen, die wir durch Beobachtung unserer Welt gewonnen haben. Diese Erkenntnisse sind im Gegensatz zu religiösen Fantastereien für den kritischen Geist nachvollziehbar und überprüfbar. Die Tatsache, dass sich unsere wissenschaftliche Weltsicht mit zunehmender Erkenntnis ändert, bedeutet keineswegs eine beliebige Wandelbarkeit der Ethik: Das Eindringen in die Geheimnisse der Welt führt zu immer weiteren erstaunlichen Erkenntnissen, die die Wertschätzung immer weiter steigern.

Das wissenschaftliche Fundament hat neben seiner überprüfbaren Richtigkeit einen weiteren enormen Vorteil. Die hierauf basierende Ethik lässt sich wegen ihrer Überprüfbarkeit nicht pervertieren, wie das in einer unantastbaren religiös begründeten Moral der Fall ist.

Nachdem jetzt wenigstens ansatzweise geklärt ist, was ein Mensch ist, wenden wir uns einer weiteren Frage zu: Was ist ein Elefant?