Vorbemerkungen

Mit Medikamenten ist, wie überhaupt in der Medizin, der klassischen und der "alternativen", viel Geld zu verdienen. Das bedeutet nicht etwa, dass diejenigen, die dieses Geld verdienen, nun automatisch glücklich damit wären und eine entsprechende Gelassenheit an den Tag legen. Darum will ich noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Darstellungen auf diesen Internet-Seiten meine persönliche Meinung darstellen.

Wirkstoffe

Es gibt unüberschaubare Mengen von verschiedenen Präparaten, die in der Behandlung von Kniegelenk-Erkrankungen eingesetzt werden. Die Anzahl ist derartig groß, dass die Aufzählung hier nicht im Entferntesten komplett sein kann. Aufgebläht wird der Markt insbesondere auch dadurch, dass exakt die gleiche Substanz häufig von vielen Firmen hergestellt wird. Jede dieser Firmen nun will glauben machen, dass gerade ihr Präparat besonders gut sei. Die vorgebrachten Argumente haben häufig das Niveau von "Pack den Tiger ins Gelenk" oder erschöpfen sich in Zuwendungen an Ärzte (von Kugelschreibern bis zu "Kongress"-Reisen zum Mittelmeer), die dann kräftig rezeptieren sollen.
Beliebt sind auch winzige Änderungen in der Molekülstruktur, die regelmäßig von den Pharmafirmen als "bahnbrechende Innovation der gesamten Medizin" gepriesen werden, oft aber keine wesentliche Neuerung darstellen. Diese Manipulationen haben häufig ihren einzigen Sinn in der Umgehung oder Ausnutzung des Patentrechtes.

Paracetamol

Dieses Präparat hat sehr wenig Nebenwirkungen (selten, meist nur bei sehr hoher Dosierung: Leber- und Nierenschädigung) und ist daher frei verkäuflich und kann über lange Zeit genommen werden. Es wirkt gut schmerzhemmend und ist daher ein Präparat der ersten Wahl bei Knieverschleiß [Gonarthrose].
Allerdings hat Paracetamol keinen entzündungshemmenden Effekt. Dieser wird durch erreicht durch die (mit allerdings mehr Nebenwirkungen behafteten)

Antirheumatika.

Das sind Mittel, die Reizungen im Knie lindern. Eine solche Reizung muss nicht unbedingt von Rheuma herrühren, sondern kann auch durch eine Prellung, durch Verschleiß oder durch einen bakteriellen Infekt verursacht werden. (Letztere Ursache ist in erster Linie operativ zu sanieren!)
Diese Substanzen bekämpfen also die Anzeichen einer Entzündung (Rötung, Schwellung, Erwärmung) und nicht deren Ursache. Wer starke Beschwerden hat, wird auch das zu schätzen wissen. Leider haben die Antirheumatika Nebenwirkungen. Insbesondere sind hier Magen-Darm Probleme zu nennen. Je höher die verwendete Dosis (auch als Zäpfchen oder Spritze!) um so höher das Risiko eines Magengeschwürs.
Als "Lösung aller Probleme" werden in letzter Zeit sogenannte Cox-2-Hemmer [Coxibe] angeboten. Abgesehen davon, dass diese unter Ausnutzung des Patentrechtes völlig überteuert sind, halten sie leider nicht, was sie versprechen: Auch diese Mittel haben erhebliche Nebenwirkungen – ich verweise beispielhaft auf "Vioxx", ein Medikament, das massiv beworben und eingesetzt wurde. Inzwischen wurde es wegen zahlreicher Todesfälle verboten.

Kortison

Kaum ein Mittel löst derartige Ängste aus, wie das Kortison. Diese Haltung hat eine unbegrenzte Euphorie abgelöst, die nach Einführung des Kortisons herrschte. Beide Einstellungen sind nicht angemessen. Immerhin ist Kortison ein körpereigenes Hormon, kann also nicht "des Teufels sein", wie manche befürchten. Es macht aber, wieder Dosis abhängig, eine Reihe von Nebenwirkungen, wie wiederum Magen-Darm Probleme, erhöhte Knochenbrüchigkeit, Pergamenthaut, Gewichtzunahme, Störung Salz- und Zuckerhaushalt und so fort. Trotzdem: Es ist das am stärksten wirksamste entzündungshemmende Medikament, das wir kennen. Gelegentlich reicht eine Spritze in das Knie aus, um starke Beschwerden über Monate zu bessern. Zu warnen ist allerdings vor Spritzen in die Bänder, z.B. in die Kniescheibensehne. Das kann zu Rissen [rupturen] führen.

Hyaluronsäure

Eine recht gute Möglichkeit, Verschleiß-Beschwerden zu lindern, stellt die Therapie mit Hyaluronsäure dar. Diese Substanz kommt im menschlichen Körper z.B. im Haut- und Knorpelgewebe vor und ist der wichtigste Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Sie ist für die deren zähe Konsistenz verantwortlich und ermöglicht so deren stoßdämpfende und schmierende Eigenschaften. Bei Kniegelenkverschleiß [Gonarthrose] kommt es zu einer Abnahme der Konzentration von Hyaluronsäure in der Gelenkflüssigkeit, infolge dessen wird ihre schützende Funktion auf das Gelenk vermindert. Es gibt deutliche Hinweise, dass diese Substanz darüber hinaus eine Reparatur-stimulierende Wirkung hat.
Notwendig sind drei bis fünf Injektionen in das betroffene Kniegelenk. Diese werden eimal wöchentlich durchgeführt. Leider wird diese nicht ganz billige Behandlung (ab 50 Euro pro Spritze) von den Krankenkassen nicht übernommen, obwohl ein positiver Effekt in Hinsicht auf Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung über ein halbes Jahr bewiesen wurde.

Antibiotika

Sie töten Bakterien ab, sind also nur bei der bakteriellen Entzündung des Kniegelenkes erforderlich. Die Gabe von Antibiotika (Penizillin ist z.B. eines) reichen nie aus, um den Infekt zu beherrschen. Immer ist eine Operation erforderlich.

Knorpel aufbauende Präparate

Schön wär's! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nicht eines der angepriesenen Präparate auch nur annähernd hält, was es verspricht. Eine Ausnahme scheint die Hyaluronsäure zu sein (s.o.).
Der Versuch des Aufbaus eines eng begrenzten Knorpel-Defektes stellt die Transplantation dar, eine in Einzelfällen möglicherweise erfolgversprechende Therapie.

Radioaktive Substanzen

Bei der "Radiosynoviorthese" (RSO) wird eine radioaktive Substanz (meist Yttrium-90) in das Kniegelenk gespritzt. Vorher wird eine Szintigaphie durchgeführt. Diese Therapie hilft recht gut bei Entzündungen des Kniegelenkes: Die Entzündungszellen an der Oberfläche der kranken Gelenkinnenhaut [Synovialis] erkennen die radioaktive Substanz als Fremdkörper und "fressen" sie auf. Die Strahlung bewirkt dann, dass die Entzündungszellen selbst abgetötet werden.
Der volle Effekt der RSO tritt erst nach 2 - 6 Monaten ein, hält aber lange, häufig über mehrere Jahre, an. Es handelt sich damit in der Regel um eine einmalige Therapie.
Die Strahlenbelastung hält sich in engen Grenzen: Die mittlere und maximale Reichweite der Strahlung beträgt 3,6 bzw. 11,0 mm. Die Substanz ist nach 2,7 Tagen zur Hälfte wieder abgebaut.

Form

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, Medikamente in den Körper zu bringen. Am effektivsten geschieht das durch Spritzen. Um das Knie zu behandeln, kommen Injektionen in das Gesäß [i.m.] oder gar in die Adern [i.v.] kaum zur Anwendung. Sinnvoll kann eine Spritze in das Knie, etwa Kortison, selbst sein. Das geschieht gelegentlich im Rahmen einer Punktion.
Tabletten und Zäpfchen wirken weniger gezielt, können vorübergehend eine vernünftige Behandlung darstellen, machen aber, wie unter Antirheumatika angesprochen, Nebenwirkungen.
Salben und Gels wirken vor Ort, dringen aber oft nicht in dem Maße ein, wie man sich das wünscht. Die Wirkung ist damit gelegentlich nicht ausreichend.
Unterstützt werden kann die Wirkung von Salben mit Strom [Iontophorese].

"Alternative" Heilmittel

Ich vertrete die Schulmedizin, weil mich deren Methoden überzeugen. Vieles, was sich auf dem riesigen alternativen Markt tummelt, ist schlicht und einfach Betrug, nicht selten sogar gefährlich. Vieles ist in seinen Prinzipien naturwissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Entsprechend definieren die Alternativen Wirksamkeit als das, was sie selbst für wirksam halten. Leider folgt der Gesetzgeber dieser Argumentation - ich tue das nicht.
Sicherlich: Ich höre immer wieder, dieses oder jenes Mittelchen habe Opa / Freundin / selbst gut geholfen. Glaube versetzt Berge. Ich fordere von einem Medikament messbare Wirkung im Doppelblindversuch. Hierbei wird es gegen andere Stoffe geprüft, wobei eine Beeinflussung des Patienten ausgeschlossen ist. Bewährt sich hierbei die Substanz, so werde ich sie akzeptieren - egal, ob sie sich homöopathisch, anthroposophisch oder sonstwie nennt. Das gilt ebenso für andere "alternative" Methoden.