Realsatire zum Thema Akupunktur


Ein solcher Briefumschlag hat mich tatsächlich erreicht. Es handelt sich also um eine Realsatire. Der geneigte Leser dieser Page möge beachten, womit dieser Propagandist für eine "alternative Methode" - in diesem Fall Akupunktur - wirbt: Nicht etwa mit überragenden Erfolgen, geringen Nebenwirkungen oder sonstigen Vorteilen für den Patienten. Er nennt unverblümt das, worauf es zumindest einigen meiner lieben Kollegen offenbar ankommt, nämlich am Budget vorbei abzukassieren. Mir scheint, dass mit der Einführung des Budgets "alternative" Methoden einen Boom erleben.
Vor der Einführung des Budgets ist ein Krankenschein (jetzt: Chipkarte) mehr oder weniger ein Scheck zur gefälligen Selbstausfüllung gewesen. Nicht wenige Ärzte haben der sich hieraus ergebenen Versuchung nicht widerstehen können und haben massiv betrogen. Die Budgetierung ist ein Versuch, dem einen Riegel vorzuschieben, ist also zu begrüßen. Hierbei kommt es zu Härten und Ungerechtigkeiten, die sich allerdings wir Ärzte selbst zuzuschreiben haben: Wir waren nicht in der Lage, dem Betrug einen Riegel vorzuschieben.

Zurück zu dem Briefumschlag und den "alternativen Methoden". Ich kenne den Absender nicht und unterstelle ihm keineswegs betrügerische Absichten. Sicherlich hat er nur unglücklich formuliert (das allerdings in erheblichem Maße!). Tatsache ist allerdings auch, dass es sich nicht um einen einmaligen Ausrutscher in der Wortwahl handelt. So wirbt der Absender des Umschlages im Deutschen Ärzteblatt 14 vom 9.4.99 wiederum mit den Worten (Hervorhebungen wie im Original):
Budgetprobleme? Verschreibungslimit? Eine fundierte Akupunkturausbildung ist die Therapie gegen diesen Ärger, denn üblicherweise wird Akupunktur privat liquidiert.
Was die Akupunktur im Besonderen angeht, so habe ich sie nicht erlernt und nehme mit ungläubigem Staunen die angeblichen Erfolge zur Kenntnis. Die Wirkungsprinzipien sind für mich nicht nachvollziehbar, was nicht etwa daran liegt, dass ich mich um das Verständnis nicht bemüht hätte. Ich behaupte auch nicht, dass alle Akupunkteure Scharlatane oder geldgierige Abzocker sind. Was ich behaupte ist, dass es auch solche gibt und dass diese sich durch den abgebildeten Umschlag und die zitierte Werbung im Deutschen Ärzteblatt besonders angesprochen fühlen werden (unbeabsichtigt, wie ich mal wohlwollend unterstelle). Mir sind Kollegen bekannt, die Akupunktur betreiben und über die genannten Zweifel erhaben sind und andere ...

Ich will auch darauf hinweisen, dass Betrug nicht nur mit Akupunktur betrieben wird. Diese, wie auch viele andere "alternativen Methoden" bietet sich allerdings insofern an, als dass man nicht approbierter Arzt sein muss, um sich damit ungerechtfertigt zu bereichern. Auch viele Heilpraktiker, Wunderheiler und sonstige Zeitgenossen haben diese Einnahmequelle für sich entdeckt. Viele andere, auch zur "Schulmedizin" gerechnete Methoden werden ebenfalls ausgenutzt, ausschließlich mit dem Ziel, abzuzocken. Hierbei werden die Opfer häufig nicht nur finanziell, sondern auch gesundheitlich geschädigt.

Ein interessanter inter-"kollegialer" Gesichtspunkt ist, dass "ärztliche" Raffgier sich keineswegs nur auf die Patienten fokussiert. Das bezieht sich nicht nur auf den zum Teil grotesken Betrug bei der Kassenabrechnung, die nicht in erster Linien die Kassen, sondern die ehrlich liquidierenden Kollegen schädigt. Auch bei Weiterbildungen, die "Ärzte" für Ärzte betreiben, wird kräftig zugelangt - und das für die Vermittlung höchst zweifelhafter Inhalte. Das ist nicht nur meine Einschätzung sondern z.B. auch die des Institutes für Akupunktur Koettnitz. Zitat aus dessen Rundbrief an Ärzte vom 9.8.99:
Gegen die selbstherrliche Entscheidung ... großer Akupunkturgesellschaften, "Qualitätssicherung" durch "Zwangsteilnahme" an 140 und mehr Ausbildungsstunden (in traditioneller chinesischer Mystik und Magie!) einzufordern, gehen wir und unser Verein inzwischen juristisch vor ...
Unser Verein möchte eine solche "Weiterbildung" als Geldschneiderei überführen und verhindern.


Von einer Patientin habe zum Thema "Akupunktur" noch eine besonders aufschlussreiche Aufstellung bekommen, und zwar über die


Indikationen für eine Akupunkturbehandlung

Innere Erkrankungen: - Funktionelle Herzerkrankungen
- Asthma und Bronchitis
- Zahnfleischentzündungen
- Magenschleimhautentzündungen
- Funktionelle Magen -und Darmerkrankungen
- Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
- Durchblutungsstörungen
- Entzündungen der Blase
- Neigung zu Erkältungskrankheiten
Orthopädische Erkrankungen: - Nackenschmerzen oder Nackensteife
( z.B. nach Schleudertrauma)
- Schulter schmerz und Schultersteife
- Schulter - Arm - Steife
- Tennisarm und Golferarm
- Erkrankungen der Sehnen
- Überbein (z.B. an der Hand)
- Chronische Kreuzschmerzen
- Hexenschuß (Lumbalgie)
- Ischialgie (auch bei Bandscheibenschaden)
- Arthroseschmerz
- Sprunggelenks- und Fersenschmerz
- Sportler - Erkrankungen
- Rheuma
Akupunktur bei Kindern: - diverse Erkrankungen ( Laser - Akupunktur)
Neurologische Erkrankungen: - Kopfschmerz und Migräne
- Trigeminusneuralgie
- Gesichtsnervenlähmung Lähmung
- nach Schlaganfall
HNO u. Augen - Erkrankungen: - Heiserkeit, Fremdkörpergefühl im Hals
- Allergie (Heuschnupfen)
- Entzündungen der Nase, Nasennebenhöhlen
- Verlust des Geruchssinnes
- Hörsturz, Gleichgewichtsstörungen, Tinnitus
- Bindehautentzündungen, Kurzsichtigkeit
Glaskörpertrübung
Gynäkologische Erkrankungen: - Menstruationsstörungen
- Beschwerden in den Wechseljahren
- Schwangerschaftserbrechen
- Geburtserleichterung
Weiterhin: - chronisches Müdigkeitssyndrom
- Schlafstörungen, Übererregbarkeit
- Depression
- Übergewicht, Nikotinsucht, Drogenentzug


Die Patientin versicherte mir, dass diese Aufstellung ernst gemeint sei! Es handelt sich hier also nicht etwa um einen Jux, sondern um das Angebot eines niedergelassenen "Facharzt für Allgemeinmedizin", mit dem er seine Patienten – selbstverständlich ohne Budgetprobleme – zu erleichtern gedenkt.