Idealerweise sollte das Bein mehr oder weniger gerade sein (eine mäßige X-Beinstellung [valgus], insbesondere bei Frauen, ist normal). Exakter ausgedrückt: Das Kniegelenk sollte in der Kraftlinie zwischen Hüftkopf und Sprunggelenk liegen. Kommt es zu Abweichungen dieser Achse, so kommt es zu einer Fehlbelastung. Im Folgenden beschränke ich mich auf das O-Bein [genus varum]. Hier wird der innere Anteil des Kniegelenkes mehr belastet als der äußere (schwarze Pfeile im Bild). Das wird ganz offensichtlich, wenn man im Stehen das Knie nach außen drückt, also eine O-Bein Stellung simuliert: Der Druck innen nimmt zu.

Folgen

Eine solche Fehlbelastung, insbesondere mit Übergewicht kombiniert, verursacht einen Verschleiß, der sich dann im Röntgenbild oder in der Kniegelenkspiegelung deutlich zeigt: Der Knorpel wird abgerieben und der Meniskus aufgefasert.

Umstellung

Skizze Umstellungsosteotomie Um es möglichst nicht zu diesen Folgen kommen zu lassen, ist eine Korrektur der Kniegelenk-Achse anzustreben.
Das ist in leichten Fällen zum Beispiel durch eine Erhöhung des Schuhaußenrandes zu erreichen: Das Knie wird hierdurch in die X-Stellung [valgus] gedrückt, der innere Knieanteil also entlastet.
Leider reicht das oft nicht aus. Dann ist der Knochen umzustellen. Man erreicht das, indem man den Schienbeinkopf durchtrennt und den so entstandenen Spalt außen aufklappt. So macht man aus dem O-Bein ein leichtes X-Bein [valgisierende Tibiakopf-Osteotomie]. Der verbleibende Knochenspalt im Schienbeinkopf wird mit einer Platte und Schrauben fixiert.

Kritik

Die Umstellung ist ein bewährtes Verfahren, hat aber seine Grenzen: Die Last-Verlagerung nach außen setzt voraus, dass die äußeren Strukturen des Gelenkes intakt sind. Ist das nicht der Fall, so muß eventuell die Oberfläche mit einer Endoprothese erneuert werden.
Die Vorstellung, den Knochen zu durchzusägen, ist wenig erbaulich. In der Tat kann das Komplikationen machen: Irrt sich der Operateur im Winkel, so resultiert eine Über- oder Unterkorrektur. Theoretisch kann es auch vorkommen, dass der Spalt nicht verheilt, was aber, außer bei Infektion, sehr unwahrscheinlich ist. Operative Eingriffe, insbesondere am Bein, können zur Bildung von Blutgerinnseln in den Venen [Thrombose] führen.