Die Anzeichen [Symptome] einer Entzündung sind immer die gleichen: Schwellung (beim Gelenk häufig Erguss), Rötung und Erwärmung. Man kann diese Anzeichen nicht nur äußerlich erkennen - oft ist auch die Schleimhaut im Gelenk selbst betroffen, wie sich in der
Kniespiegelung gut darstellt.
Eine sehr empfindlich Methode, um eine Gelenk-Entzündung darzustellen, ist die
Szintigaphie der Kniegelenke.
Ein Kniegelenkerguss ist leicht festzustellen: Man setzt sich mit gestrecktem und entspanntem Knie und drückt von vorn auf die Kniescheibe. Normalerweise hat sie, wie im
Längsschnitt zu sehen, direkten Kontakt mit dem Oberschenkel. Ist aber Flüssigkeit im Knie, so kann man die Kniescheibe ein wenig nach hinten drücken, bevor sie deutlich tastbar an ihr Gleitlager anstößt [tanzende patella].
Gelegentlich sucht sich der Erguss seinen Weg in Richtung Kniekehle. Kapsel und Schleimhaut bilden dann dort eine Aussackung [Baker-Cyste], die beträchtliche Ausmaße erreichen kann.
Der Erguss durch Entzündung ist eine klare, bei manchen rheumatischen Erkrankungen und bei bakteriellen Entzündungen (Vereiterungen) trübe, bernsteingelbe Flüssigkeit, etwa wie Motoröl.
Beachte: Flüssigkeit im Kniegelenk ist nicht immer entzündlicher Erguss. Es kann sich auch um Blut [Hämarthros] handeln, was den Verdacht auf eine
Meniskus- oder
Bandverletzung oder gar auf einen Knochenbruch (dann meist "Fettaugen" auf dem Punktat) lenkt.
Die Punktion des Kniegelenkes ist (wenn sie korrekt gemacht wird) nicht schmerzhafter als eine Blutabnahme. Neben der Klärung der Diagnose (Blut? andere Zellen? Rheumafaktoren? Bakterien?) führt die Druckentlastung durch die Punktion zur Beschwerdelinderung. Bei der Gelegenheit kann man, wenn nötig, auch ein
Medikament in das Knie injizieren.
Wird eine Entzündung des Kniegelenkes [Gonarthritis] festgestellt, so ist das noch keine Diagnose. Sie kann eine Reihe von unterschiedlichen Ursachen haben, etwa Rheuma, Gicht, Verletzung, Verschleiß oder sogar Bakterien im Gelenk.
Aber auch Überlastungen können zu Reizzuständen führen. Es schmerzt dann beispielsweise der Ansatz des Innenbandes am Schienbeinkopf innen (häufig bei übergewichtigen Patienten) oder der Ursprung des Kniescheibenbandes am unteren Kniescheibenpol (häufig bei Sportlern = [jumper's knee]). Nicht selten ist die Entzündung des Schleimbeutels vor der Kniescheibe [Bursitis praepatellaris] bei ständigem Druck (Fliesenleger).
Eine bakterielle Entzündung im Kniegelenk ist immer eine sehr schwerwiegende Erkrankung, meist verbunden mit massiven Entzündungszeichen - bis zur Vereiterung [Empyem]. Oft führt sie zu bleibenden Schäden. Hier ist immer ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Das Knie muss eröffnet werden, die Schleimhaut wird entfernt [Synovektomie], und das Gelenk wird gespült. Selbstverständlich behandelt man zusätzlich(!) mit Medikamenten, die die Bakterien abtöten [Antibiotika].
Das Thema Rheuma sprengt den Rahmen dieser Darstellung. Um ehrlich zu sein: Ich weiß auch nicht ganz genau, was das ist - niemand weiß das. Hier nur so viel: Rheumatische Erkrankungen führen zu langanhaltenden [chronischen], oft schubweise verlaufenden Entzündungen meist mehrer Gelenke. Die Behandlung erfolgt durch
entzündungshemmende
Medikamente, einschließlich Kortison, was die Krankheitserscheinungen vorübergehend lindert [symptomatische Therapie] und durch Basistherapeutika wie z.B. Gold, die den Verlauf der Krankheit beeinflussen sollen. In fortgeschrittnen Stadien wird nicht selten der
Gelenkersatz notwendig. Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen rheumatischen Erkrankungen, die ganz unterscheidliche Verläufe haben.
Nicht jeder, der an verschiedenen Gelenken Beschwerden hat, ist ein Rheumatiker - auch wenn sogar Ärzte sich hier gelegentlich missverständlich ausdrücken ("Weichteilrheumatismus" für diffuse Beschwerden ohne klare Diagnose, Verwechselung mit Gicht usw.).
Die mit Abstand sinnvollste Behandlung von Reizungen des Kniegelenkes ist die Vermeidung der Ursachen - damit also Maßnahmen, die jeder selbst ergreifen kann. Unterstützend kann mit entsprechenden Medikamenten oder physiotherapeutisch therapiert werden.