Gedanken zum Islam

von Jochen Lengerke


Häufig werden die Gemeinsamkeiten verschiedener Religionen hervorgehoben - sicherlich zu Recht. Ohne Frage gibt es im Besonderen auch Parallelen zwischen Christentum und Islam. - Das lässt hoffen. Ein Umstand, auf den Hans Küng mit Nachdruck in seinem Projekt "Weltethos" hinweist. "Ohne Religionsfrieden kein Weltfrieden.", so Küng.

Diese Thesen sind äußerst eingängig - so eingängig, dass sie der besonders kritischen Nachprüfung bedürfen.

Zum Einen ist mir jede Form von Synkretismus verdächtig. Küng ist ein kluger Mann wird dieser Versuchung sicher nicht erliegen. Das ist jetzt nicht mein Thema. Ich möchte vielmehr Folgendes zu bedenken geben:

Nur all zu gern ist man in seinem Harmoniebedürfnis geneigt, aus Religionsfrieden auf Weltfrieden zu schließen - ein Fehlschluss, wie ich meine: Erstens ist Religionsfrieden meines Erachtens eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung für Weltfrieden. Zweitens und vor allem ist genau zu untersuchen, was Religionsfrieden bedeutet. Sicherlich kann kein unkritischer "Eia-popeia-Frieden" gemeint sein, denn ein solcher wäre kaum von Dauer. So heißt es: "Selig sind die Friedfertigen." aber keineswegs: "Selig sind die Naiven.". So wäre es ein fataler Fehler, jedem, der sich den Anschein von Religiosität gibt, seinerseits Friedfertigkeit zu unterstellen. Es gibt nicht wenige "Gutmenschen", die immer wieder quasi reflexartig diesem Irrtum verfallen.

Trivial ist diesbezüglich die Tatsache, dass nicht jeder, der sich das Deckmäntelchen der Religiosität umhängt, subjektiv religiöse Motive hat. Es ist leider so: Wenn man die Absicht hat, andere Menschen zu willfährigen Sklaven zu machen, bar jeder natürlichen moralischen Selbstbestimmung, wenn man also Menschen entmenschlichen will, so war und ist die Religion hierzu ein ungemein effizientes Instrument.

Weit weniger trivial ist die Frage, mit welchem "Recht" sich Menschen immer wieder auf deren jeweilige Religion beziehen, wenn sie Gräueltaten initiieren oder begehen. (Hierbei soll jetzt die Frage nicht weiter untersucht werden, ob der Bezug zynisches Kalkül ist oder tatsächlich auf innerer überzeugung beruht.) Ich frage mich also, ob es Religionen gibt, die Verbrechen "recht"-fertigen. Ich habe mich diesbezüglich mit dem Koran näher auseinandergesetzt. Ich wurde in einem Maße fündig, das mich tief erschreckte.

Einige Kostproben zum Thema "Ungläubige":

2. Sure, Vers 191: Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dannen, wie sie euch vertrieben; denn Verführung ist schlimmer als Totschlag. Bekämpft sie jedoch nicht bei der heiligen Moschee, es sei denn, sie bekämpfen euch in ihr. Greifen sie jedoch an, dann schlagt sie tot. Also ist der Lohn der Ungläubigen.

8. Sure, Vers 55: Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben.

47. Sure, Vers 4: Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnüret die Bande...

Diese Zitate sprechen für sich, wie ich meine. Bezeichnend ist allein schon die Vokabel "Ungläubige", und nicht etwa "Andersgläubige", denn es gibt in der Logik des Koran offensichtlich nur einen Glauben, und der ist, so muss ich diese Koran-Stellen interpretieren, mit Mord und Totschlag gegen die ungläubigen Untermenschen zu verteidigen. Es ist eine schwache Rechtfertigung, wenn darauf hingewiesen wird, dass sich diese Textpassagen auf Krieg beziehen. Das macht sie nicht menschlicher.

Nun zu einem anderen islamischen Kriegsschauplatz: Offensichtlich ist auch die Frauenverachtung, die im Koran propagiert wird. Nur ein Beispiel:

4. Sure, Vers 34: Die Männer sind den Weibern überlegen wegen dessen, was Allah den einen vor den anderen gegeben hat, und weil sie von ihrem Geld (für die Weiber) auslegen. Die rechtschaffenen Frauen sind gehorsam und sorgsam in der Abwesenheit (ihrer Gatten), wie Allah für sie sorgte. Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, warnet sie, verbannt sie in die Schlafgemächer und schlagt sie. Und so sie euch gehorchen, so suchet keinen Weg wider sie; siehe, Allah ist hoch und groß.

Ich weiß wohl: Es wird immer wieder behauptet, der Islam sei in Wirklichkeit friedfertig und predige einen respektvollen Umgang mit Frauen. Das, was praktiziert werde, sei eine Pervertierung der Religion, eine falsche Auslegung des Koran. Die oben zitierten Beispiele allerdings lassen anderes vermuten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mittels glaubhafter exegetischer Klimmzüge möglich ist, aus diesen Koranstellen eine Religion abzuleiten, die meine Vorstellungen von Humanität auch nur ansatzweise erfüllt. Es mag auch anderslautende Passagen im Koran geben - er ist mit Sicherheit in sich widersprüchlich wie die Bibel auch. Gleichwohl: Derartige Aussagen wie die oben genannten sind so radikal, dass sie sich schwerlich relativieren lassen.

Freilich: Meine Vorstellungen von Humanität sind sicher nicht das Maß aller Dinge. Das sind auch nicht die Charta der Vereinten Nationen oder die Menschenrechte. Ich persönlich meine aber, dass es erlaubt sein muss, die Differenzen zwischen den aufgeführten Koranstellen und beispielsweise den Menschenrechten hinzuweisen. Wer vor diesen Unvereinbarkeiten die Augen verschließt, tut der Sache des Friedens, um auf das Ausgangsthema zurück zu kommen, meines Erachtens keinen Gefallen. Ein Frieden, der auf Ignoranz aufbaut, scheint mir nicht dauerhaft zu sein, insbesondere dann nicht, wenn er Kräfte, die explizit gegen diesen ausgerichtet sind, blauäugig als synergistisch interpretiert.

An dieser Stelle ist mir eine Klarstellung wichtig: Ich will mich keineswegs auf das Niveau der genannten Stellen des Korans hinab begeben und Muslims als Untermenschen, "schlimmer als das Vieh" bezeichnen. (Wobei angemerkt sein soll, dass dem Viehzeug an dieser Stelle Unrecht getan wird: Tiere neigen nicht zur selbstzerstörerischen Perversion wie der Mensch.) Ohne jede Frage gibt es Muslims, die beispielhaft in ihrer Einstellung und auch in ihren Taten sind - und zwar beispielhaft im Sinne eines so dringend zu fordernden Weltethos. Es gibt aber auch - wiederum ohne jede Frage - andere, die beispielhaft im Sinne der genannten Koranstellen agieren, sei es im Großen, wie Saddam Hussein, der nach dem Motto "herunter mit dem Haupt, bis er ein Gemetzel angerichtet" hat oder im "Kleinen", wie der türkische Familiedespot, der seine Frau verprügelt, weil er "deren Widerspenstigkeit fürchtet".

Es stellt sich nun die Frage, wie um des Friedens willen mit denen zu verfahren ist, die sich beispielhaft im negativen Sinne verhalten. In der Bibel steht, man solle die andere Backe hinhalten. Was aber, wenn es sich nicht um die eigene Backe handelt, sondern um das Nasenbein einer türkischen Ehefrau? Was aber, wenn es sich nicht um einen Faustschlag handelt sondern um einen grauenhaften Giftgasangriff auf Menschen, die das Verbrechen begangen haben, Kurden zu sein? Was aber endlich, wenn es sich um beispielhaft Kriminelle handelt, die sich um ein Vernichtungspotential globaler Relevanz bemühen oder gar über ein solches schon verfügen?

Ich meine, die Antworten auf diese Fragen sind alles andere als einfach.


Anhang

Der Koran ist in arabischer Sprache verfasst - wir sind also auf übersetzungen angewiesen. Von Protagonisten wird regelmäßig auf diese Tatsache hingewiesen, wenn diese mit problematischen Koranstellen konfrontiert werden. Richtig ist wohl, dass die Texte in Rhythmik, Versmaß, Syntax etc. höchst kunstvoll sind, was in einer übersetzung nicht wiedergegeben werden kann. Hier aber geht es um Inhalte - und die sind selbstverständlich übersetzbar.

Ich besitze zwei Ausgaben des Koran - eine habe ich in der hiesigen Moschee vom dortigen Vorsteher erhalten. Im Internet kann man aber auch fündig werden: http://www.nur-koran.de/korantext/abfrage.htm Aus dieser Quelle habe ich die hier folgenden Texte entnommen - sie stammen von verschiedenen übersetzern. Hiernach habe ich auch die Nummerierung übernommen - sie variieren von Ausgabe zu Ausgabe leicht. Die Anmerkungen in Klammern wurden von den übersetzern angebracht.

  Ahmadeyya Rudi Paret M. A. Rassoul Azhar Zaidan Khoury
2.191 Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben; denn Verfolgung ist ärger als Totschlag. Bekämpft sie aber nicht bei der Heiligen Moschee, solange sie euch dort nicht angreifen. Doch wenn sie euch angreifen, dann kämpft wider sie; das ist die Vergeltung für die Ungläubigen. Und tötet sie, wo (immer) ihr sie zu fassen bekommt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben! Der Versuch (Gläubige zum Abfall vom Islam) zu verführen ist schlimmer als Töten. Jedoch kämpft nicht bei der heiligen Kultstätte (von Mekka) gegen sie, solange sie nicht (ihrerseits) dort gegen euch kämpfen! Aber wenn sie (dort) gegen euch kämpfen dann tötet sie! Derart ist der Lohn der Ungläubigen. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; denn die Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Töten. Und kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie aber gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen. Die Feinde (die euch als erste angreifen) sollt ihr überall dort schlagen, wo ihr sie findet und sie aus den Stätten vertreiben, aus denen sie euch vertrieben haben. Verfolgung (und der Versuch, die Gläubigen vom wahren Glauben abzubringen) ist schwerwiegender als ein Krieg. Ihr sollt nicht mit ihnen bei der Heiligen Moschee kämpfen. Doch wenn sie euch dort angreifen, dann dürft ihr sie dort bekämpfen. Das ist die Strafe, die die Ungläubigen verdienen. Und tötet sie überall, wo ihr sie ausfindig macht, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Und die Fitna ist härter als das Töten. Und führt gegen sie den bewaffneten Kampf nicht bei Almasdschidil- haram , bis sie gegen euch darin den bewaffneten Kampf aufnehmen. Und wenn sie den bewaffneten Kampf gegen euch aufnahmen, dann tötet sie. Solcherart ist die Vergeltung für die Kafir. Und tötet sie, wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführen ist schlimmer als Töten. Kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie gegen euch kämpfen, dann tötet sie. So ist die Vergeltung für die Ungläubigen.
8.55 Wahrlich, die schlimmsten Tiere vor Allah sind jene, die undankbar sind. Darum wollen sie nicht glauben - Als die schlimmsten Tiere (dawaabb) gelten bei Allah diejenigen, die ungläubig sind und (auch) nicht glauben werden, - Wahrlich, schlimmer als das Vieh sind bei Allah jene, die ungläubig sind und nicht glauben werden ; Die schlimmsten Lebewesen sind nach Gottes Urteil die Ungläubigen, die vorsätzlich nicht glauben wollen, Gewiss, die übelsten der sich bewegenden Lebewesen, sind bei ALLAH diejenigen, die Kufr betrieben haben, so verinnerlichen sie den Iman nicht. Die schlimmsten Tiere bei Gott sind die, die ungläubig sind und weiterhin nicht glauben,
47.4 Wenn ihr (in der Schlacht) auf die stoßet, die ungläubig sind, trefft (ihre) Nacken; und wenn ihr sie so überwältigt habt, dann schnüret die Bande fest. ... Wenn ihr (auf einem Feldzug) mit den Ungläubigen zusammentrefft, dann haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken! Wenn ihr sie schließlich vollständig niedergekämpft habt (athkhantumuuhum), dann legt (sie) in Fesseln, ... Wenn ihr auf die stoßt, die ungläubig sind, so haut (ihnen) auf den Nacken; und wenn ihr sie schließlich siegreich niedergekämpft habt, dann schnürt ihre Fesseln fest. ... Wenn ihr im Krieg auf die Ungläubigen trefft, schlagt ihnen auf den Nacken, bis ihr sie außer Gefecht gesetzt habt! Dann legt sie in Fesseln! ... Und wenn ihr auf diejenigen, die Kufr betrieben haben, trefft, gibt es das Schlagen auf die Hälse. Dann wenn ihr ihnen schwere Verluste zugefügt habt, dann zieht die Fesseln fest. ... Wenn ihr auf die, die ungläubig sind, trefft, dann schlagt (ihnen) auf die Nacken. Wenn ihr sie schließlich schwer niedergekämpft habt, dann schnürt (ihnen) die Fesseln fest. ...
4.34 Die Männer sind die Verantwortlichen über die Frauen, weil Allah die einen vor den andern ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, ermahnt sie, lasst sie allein in den Betten und straft sie. Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht keine Ausrede gegen sie; Allah ist hoch erhaben, groß. Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah sie (von Natur vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Allah) demütig ergeben und geben acht mit Allahs Hilfe auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist. Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Allah ist erhaben und groß. Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist Erhaben und Groß. Die Männer haben in voller Verantwortung für die Frauen aufzukommen, weil Gott den einen gegenüber den anderen Vorzüge gewährt hat und weil sie von ihrem Vermögen (das sie durch ihre Arbeit erworben haben) für die Familie ausgeben. Die guten Frauen sind gottergeben und verschweigen, was Gott zu verschweigen gebietet. Die Frauen, bei denen ihr fürchtet, sie könnten im Umgang unerträglich werden, müsst ihr beraten. Wenn das nichts nützt, dürft ihr euch von ihren Schlafstätten fernhalten; wenn das nichts nützt, dürft ihr sie (leicht) strafen (ohne sie zu erniedrigen). Haben sie sich gefügt, so dürft ihr nicht ungerecht sein. Bedenkt stets, dass Gott erhaben und mächtig ist! Die Ehemänner tragen Verantwortung den Ehefrauen gegenüber wegen dem, womit ALLAH die einen vor den anderen ausgezeichnet hat, und wegen dem, was sie von ihrem Vermögen ausgegeben haben. Die gottgefällig guttuenden Frauen sind (ALLAH gegenüber) ergeben und bewahren das vom Verborgenen (zwischen ihnen und ihren Ehemännern), was ALLAH zu bewahren auferlegt hat. Und diejenigen Ehefrauen, deren böswillige trotzige Auflehnung ihr fürchtet, diese sollt ihr (zunächst) ermahnen, dann in den Ehebetten meiden und (erst danach) einen (leichten) Klaps geben ! Und sollten sie wieder auf euch hören, dann unternehmt nichts mehr gegen sie! Gewiss, ALLAH bleibt immer allhöchst, allgrößt. Die Männer haben Vollmacht und Verantwortung gegenüber den Frauen, weil Gott die einen vor den anderen bevorzugt hat und weil sie von ihrem Vermögen (für die Frauen) ausgeben. Die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben und bewahren das, was geheimgehalten werden soll, da Gott es geheimhält. Ermahnt diejenigen, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern und schlagt sie. Wenn sie euch gehorchen, dann wendet nichts Weiteres gegen sie an. Gott ist erhaben und groß.


Zu diesem Aufsatz schrieb mir eine Muslima einen Leserbrief. Die Antwort kann hier gelesen werden.


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